LAGERDAUER IN TAGEN · NACH GRUPPE PLAYBOOK 38 35112479 A · 65 % UMSATZB · 27 % UMSATZC · 8 % UMSATZ DERSELBE SHOP, DURCHSCHNITT 91 TAGE IN C-ARTIKELN GEBUNDEN 138.600 € 42 % DES LAGERWERTS 8 % DES UMSATZES RUND 11.000 € KAPITALKOSTEN JE JAHR SITE EFFECT · PLAYBOOKS LIVE
Playbook 38 · Data & Operations

Lagerumschlag: das Kapital, das im Regal liegt

Der Lagerumschlag ist die unauffälligste Kennzahl im Handel und die, die am meisten Geld bewegt. Sie entscheidet, wie viel Kapital gebunden ist, wie teuer Wachstum wird und wie viel Sortiment sich stillschweigend in Abschreibung verwandelt.

Kurz beantwortet

Lagerumschlagshäufigkeit = Wareneinsatz ÷ durchschnittlicher Lagerbestand, beides zu Einstandspreisen. Daraus folgt die Lagerdauer = 365 ÷ Umschlagshäufigkeit. Bei 1.320.000 Euro Wareneinsatz und 330.000 Euro Bestand ergibt das einen Umschlag von 4,0 und eine Lagerdauer von 91 Tagen.

Der Fehler, der die Zahl halbiert

In sehr vielen Auswertungen steht im Zähler der Umsatz. Das ist bequem, weil der Umsatz jederzeit greifbar ist, und es ist falsch, weil der Umsatz die Handelsspanne enthält, der Lagerbestand aber zu Einstandspreisen bewertet wird. Man teilt zwei Größen mit unterschiedlicher Basis.

RechnungZählerErgebnis
Falsch, mit Umsatz2.400.000 €7,3
Richtig, mit Wareneinsatz1.320.000 €4,0
Abweichungentfällt+ 83 %

Die falsche Rechnung ergibt eine Lagerdauer von 50 statt 91 Tagen. Wer damit seinen Kapitalbedarf plant, plant mit der Hälfte. Im Cash Conversion Cycle schlägt derselbe Fehler unmittelbar auf die Liquiditätsplanung durch.

Warum der Durchschnitt nichts sagt

Vier Umschläge im Jahr klingen mittelmäßig und sind in Wahrheit zwei völlig verschiedene Unternehmen in einem. Dieselben Zahlen, nach Sortimentsgruppen aufgeteilt:

GruppeAnteil UmsatzAnteil LagerwertUmschlagLagerdauer
A65 %25 %10,435 Tage
B27 %33 %3,3112 Tage
C8 %42 %0,8479 Tage

Die C-Artikel binden 138.600 Euro, also 42 Prozent des gesamten Lagerwerts, und erzeugen dafür 8 Prozent des Umsatzes. Ihre durchschnittliche Liegezeit beträgt gut sechzehn Monate. Das ist kein Lager mehr, das ist ein Depot.

Was das im Jahr kostet

KostenartRechnungJe Jahr
Kapitalkosten auf C-Bestand138.600 × 8 %11.088 €
Lagerplatznach Stellplatz und Anbieter2 bis 23 € je Palette und Monat
Wertminderung und Abschreibungsortimentsabhängigsteigt mit der Liegezeit

Die Kapitalkosten allein liegen bei rund 11.000 Euro im Jahr, und sie fallen an, ohne dass irgendetwas passiert. Dazu kommen Lagerkosten und das Risiko, dass die Ware am Ende ohnehin reduziert werden muss, dann aber ohne Verhandlungsposition. Was Lagerung, Kommissionierung und Versand insgesamt kosten, steht im Playbook zu den Fulfillment-Kosten.

Räumen oder halten

Ein Nachlass von 30 Prozent auf C-Ware fühlt sich teuer an, weil er sofort sichtbar wird. Er ist eine einmalige Zahlung. Das Halten derselben Ware kostet Kapitalzins, Lagerplatz und Wertminderung, und zwar jedes Jahr erneut. Wie ein Nachlass korrekt gerechnet wird, steht im Playbook zu den Rabattkosten. Für Ware ohne Drehung ist der Vergleich nicht Rabatt gegen Vollpreis, sondern Rabatt gegen dauerhafte Bindung.

Die Reihenfolge, in der wir aufräumen

Wie wir das lösen

In SITE FX läuft der Lagerumschlag nicht als Jahreskennzahl, sondern je Artikel und je Gruppe, direkt neben Deckungsbeitrag und Absatz. Ein Artikel mit guter Marge und schlechter Drehung sieht in einer Margenliste hervorragend aus und ist trotzdem ein Verlustgeschäft. Erst beide Zahlen nebeneinander machen diese Artikel sichtbar.

Häufige Fragen

Wie berechnet man die Lagerumschlagshäufigkeit?

Lagerumschlagshäufigkeit gleich Wareneinsatz geteilt durch durchschnittlichen Lagerbestand. Beide Größen müssen zu Einstandspreisen gerechnet werden. Aus dem Ergebnis folgt die Lagerdauer als 365 geteilt durch die Umschlagshäufigkeit. Bei 1.320.000 Euro Wareneinsatz und 330.000 Euro durchschnittlichem Bestand beträgt der Umschlag 4,0 und die Lagerdauer 91 Tage.

Was ist der häufigste Fehler bei der Berechnung?

Der Umsatz wird statt des Wareneinsatzes in den Zähler gesetzt. Weil der Umsatz die Handelsspanne enthält, der Bestand aber zu Einstandspreisen bewertet ist, entsteht ein deutlich zu hoher Wert. Im selben Beispiel ergäbe die falsche Rechnung 7,3 statt 4,0, also fast das Doppelte. Wer so rechnet, hält seine Kapitalbindung für halb so groß, wie sie ist.

Welcher Lagerumschlag ist gut?

Einen allgemeingültigen Richtwert gibt es nicht, weil er von Sortiment, Saisonalität und Lieferzeiten abhängt. Aussagekräftig ist der Vergleich über die Zeit und zwischen Sortimentsgruppen. Der Durchschnitt allein führt in die Irre: In einem typischen Sortiment erreichen die umsatzstärksten Artikel Werte um 10, während langsam drehende Artikel unter 1 liegen und dabei den größten Teil des gebundenen Kapitals ausmachen.

Warum ist eine hohe Umschlagshäufigkeit wichtig?

Weil sie die Kapitalbindung senkt. Jeder Tag, den Ware liegt, ist ein Tag, an dem Geld nicht arbeitet, Lagerplatz kostet und das Risiko der Wertminderung trägt. Die Lagerdauer ist zugleich der größte Bestandteil des Cash Conversion Cycle und damit die Zahl, die bestimmt, wie viel Kapital Wachstum bindet. Eine niedrige Umschlagshäufigkeit deutet auf Kapitalbindung, veraltete Ware oder falsche Einkaufsentscheidungen hin.

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Lukas Rath
Co-Founder & CEO · SITE EFFECT

Verantwortet SEO, E-Mail und Retention bei SITE EFFECT. Baut Kanäle, die dem Shop gehören, statt gemietete Reichweite.

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Quellen & Datenbasis

Formel der Lagerumschlagshäufigkeit mit Wareneinsatz und durchschnittlichem Lagerbestand: Xentral und JTL Software · Bedeutung für Kapitalbindung, Liquidität und Sortimentsstrategie im E-Commerce: Hublify · Richtwerte und typische Denkfehler bei der Interpretation: Beckmann Systeme · weitere Lagerkennzahlen und Formeln: Diva Now · Lagerkosten je Palettenstellplatz: Industrie-Fachwissen. Die ABC-Aufteilung und der Kapitalkostensatz von acht Prozent sind Modellannahmen zur Veranschaulichung, keine Kundendaten.