NOETIGER MEHRABSATZ · BEI 30 % MARGE PLAYBOOK 35 +25 %+50 %+100 %+200 % 5 %10 %15 %20 % RABATT AUF DEN VERKAUFSPREIS DIE FORMEL R ÷ (M − R) R = RABATTSATZ M = DECKUNGSBEITRAGSMARGE NAEHERT R SICH M, WIRD ES UNMOEGLICH SITE EFFECT · PLAYBOOKS LIVE
Playbook 35 · Steuerung & Kennzahlen

Was ein Rabatt wirklich kostet

Zehn Prozent klingen nach zehn Prozent. Sie sind es nicht. Der Nachlass geht vom Preis ab, aber vollständig von der Marge, und der Wareneinsatz bleibt, wo er war. Wie viel mehr Du verkaufen musst, damit sich das trägt, steht in einer Formel mit drei Zeichen.

Kurz beantwortet

Nötiger Mehrabsatz = Rabattsatz ÷ (Deckungsbeitragsmarge − Rabattsatz). Bei 30 Prozent Marge und 10 Prozent Rabatt brauchst Du 50 Prozent mehr Absatz, nur um denselben Deckungsbeitrag zu halten. Bei 20 Prozent Rabatt sind es 200 Prozent. Der Zusammenhang ist nicht linear.

Warum der Rabattsatz die Marge um ein Vielfaches trifft

Ein Artikel für 140 Euro netto, Deckungsbeitragsmarge 40 Prozent. Es bleiben 56 Euro. Jetzt gilt ein Code über 15 Prozent.

PositionOhne RabattMit 15 % Rabatt
Verkaufspreis netto140,00 €119,00 €
Variable Kosten84,00 €84,00 €
Deckungsbeitrag je Stück56,00 €35,00 €
Veränderung Preisentfällt− 15,0 %
Veränderung Deckungsbeitragentfällt− 37,5 %

Der Preis sinkt um 15 Prozent, der Deckungsbeitrag um 37,5 Prozent. Das ist der ganze Mechanismus: Der Nachlass wird auf den Preis gerechnet, wirkt aber allein auf den Teil, der übrig bleibt. Je dünner die Marge, desto brutaler der Hebel.

Die Matrix, die vor der Aktion auf den Tisch gehört

Nötiger Mehrabsatz, damit der Deckungsbeitrag gleich bleibt:

Deckungsbeitragsmarge10 % Rabatt15 % Rabatt20 % Rabatt30 % Rabatt
25 %+67 %+150 %+400 %unmöglich
30 %+50 %+100 %+200 %unmöglich
35 %+40 %+75 %+133 %+600 %
40 %+33 %+60 %+100 %+300 %
50 %+25 %+43 %+67 %+150 %

"Unmöglich" heißt: Der Rabatt liegt auf oder über der Marge. Jede weitere verkaufte Einheit vergrößert dann den Verlust. Es gibt keinen Absatz, der das rettet. Genau diese Felder werden im Black-Friday-Fieber am häufigsten betreten. Wie eine Aktion stattdessen aufgebaut wird, steht im Playbook zur Black-Friday-Strategie.

Der Mitnahmeeffekt, der die Rechnung kippt

Die Tabelle oben ist noch die freundliche Version. Sie unterstellt, dass der Rabatt nur zusätzliche Bestellungen betrifft. Tatsächlich bekommen ihn auch alle, die ohnehin gekauft hätten.

PositionOhne AktionMit 15 % Code
Bestellungen im Monat1.0001.250
Bestellwert netto140,00 €119,00 €
Deckungsbeitrag je Bestellung56,00 €35,00 €
Deckungsbeitrag gesamt56.000 €43.750 €
Differenzentfällt− 12.250 €

Fünfundzwanzig Prozent mehr Bestellungen, und trotzdem 12.250 Euro weniger Deckungsbeitrag. Nötig gewesen wären laut Matrix 60 Prozent. Im Nachbericht steht dann "Aktion hat 25 Prozent mehr Bestellungen gebracht", und das stimmt sogar. Es ist nur nicht die Zahl, die entscheidet.

Wann ein Nachlass trotzdem richtig ist

Wie wir das lösen

In SITE FX hängt jeder Rabattcode an derselben Bestellung wie Wareneinsatz, Versand und Werbekosten. Dadurch steht neben jeder Aktion nicht der Umsatz, sondern der Deckungsbeitrag mit und ohne Code, und daneben der Mehrabsatz, der nötig gewesen wäre. Die Frage, ob eine Aktion sich gelohnt hat, wird damit nicht diskutiert, sondern abgelesen.

Häufige Fragen

Wie viel Mehrabsatz braucht ein Rabatt, um sich zu tragen?

Der nötige Mehrabsatz berechnet sich als Rabattsatz geteilt durch die Differenz aus Deckungsbeitragsmarge und Rabattsatz. Bei 30 Prozent Marge und 10 Prozent Rabatt sind das 10 geteilt durch 20, also 50 Prozent mehr Absatz. Bei 30 Prozent Marge und 20 Prozent Rabatt sind es bereits 200 Prozent. Der Zusammenhang ist nicht linear: Je näher der Rabatt an die Marge rückt, desto steiler steigt der nötige Mehrabsatz, bis er rechnerisch nicht mehr erreichbar ist.

Warum kostet ein Rabatt mehr als der Rabattsatz?

Weil der Nachlass vom Verkaufspreis abgeht, aber vollständig zulasten der Marge geht. Der Wareneinsatz bleibt unverändert. Bei einem Verkaufspreis von 140 Euro und 40 Prozent Deckungsbeitragsmarge bleiben 56 Euro. Ein Rabatt von 15 Prozent entspricht 21 Euro und senkt den Deckungsbeitrag auf 35 Euro. Der Preis sinkt um 15 Prozent, die Marge um 37,5 Prozent. Deshalb ist die Abnahme der Marge regelmäßig ein Vielfaches des gewährten Rabattsatzes.

Was ist der Mitnahmeeffekt bei Rabatten?

Ein flächendeckender Rabatt wird auch von den Kunden genutzt, die ohne ihn gekauft hätten. Für diesen Anteil ist der Nachlass reiner Margenverlust ohne jeden Zusatzumsatz. Genau deshalb reicht ein spürbarer Bestellzuwachs oft nicht aus: Bei 1.000 Bestellungen ohne Aktion, 40 Prozent Marge und einem 15-Prozent-Code führen selbst 25 Prozent mehr Bestellungen zu einem um rund 12.000 Euro niedrigeren Deckungsbeitrag, weil rechnerisch 60 Prozent mehr nötig gewesen wären.

Wann ist ein Rabatt trotzdem sinnvoll?

Wenn er an eine Gegenleistung gebunden ist, statt flächendeckend zu gelten. Sinnvolle Bindungen sind ein Mindestbestellwert, ein Bündel aus mehreren Artikeln, die Anmeldung zum Newsletter oder die Räumung von Ware, deren Kapitalbindung teurer ist als der Nachlass. Ein Neukundenrabatt ist außerdem korrekt als Akquisitionskosten zu verbuchen und gehört in den CAC, nicht in die Preisliste.

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Lukas Rath
Co-Founder & CEO · SITE EFFECT

Verantwortet SEO, E-Mail und Retention bei SITE EFFECT. Baut Kanäle, die dem Shop gehören, statt gemietete Reichweite.

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Quellen & Datenbasis

Wirkung von Rabatten und Skonti auf die Marge sowie die Faustformel zum nötigen Mehrabsatz: Rechner A bis Z · Argumentation gegen flächendeckende Nachlässe im E-Commerce: Advertace · Wirtschaftlichkeitsprüfung vor der Rabattentscheidung: Tom Martens · Grundlagen der Margenrechnung im Handel: Blitzrechner und Preiskalkulation im Handel. Die Matrix ist rechnerisch abgeleitet, der Modellshop im Beispiel ist eine Annahme.