PREISERHÖHUNG · ONLINESHOP PLAYBOOK 51 PREIS +5 % NETTO JE STÜCK ABSATZ DARF FALLEN −14,3 % BEI 30 % DB-MARGE OPERATIVER GEWINN +8 % JE 1 % PREIS REALISIERT < 50 % DER GEPLANTEN ERHÖHUNG ERLAUBTER ABSATZVERLUST = P ÷ (M + P) SITE EFFECT · PLAYBOOKS LIVE
Playbook 51 · Preis & Marge

Preiserhöhung im Onlineshop: wie viel Absatz Du verlieren darfst

Die meisten Shops erhöhen ihre Preise zu spät, zu pauschal und ohne Rechnung. Dabei lässt sich vorher auf eine Zeile genau sagen, wie viele Käufer Du verlieren darfst.

Kurz beantwortet

Erlaubter Absatzverlust = p ÷ (m + p), mit p als Preiserhöhung und m als Deckungsbeitragsmarge. Bei 30 Prozent Marge und 5 Prozent Aufschlag darfst Du 14,3 Prozent der Stückzahl verlieren und verdienst trotzdem gleich viel. Nach McKinsey bringt 1 Prozent mehr Preis rund 8 Prozent mehr operativen Gewinn. Erhöhe nach Produktgruppen, miss gegen eine Kontrollgruppe und gib 30 Tage lang keinen Rabatt auf dieselben Produkte.

Warum der Preis der stärkste Hebel ist, den kaum jemand zieht

McKinsey hat die Gewinn- und Verlustrechnung eines durchschnittlichen Unternehmens aus dem S&P 1500 durchgespielt: 1 Prozent mehr Preis bei gleichem Absatz bringt 8 Prozent mehr operativen Gewinn. Das ist rund die Hälfte mehr als 1 Prozent niedrigere variable Kosten und mehr als dreimal so viel wie 1 Prozent mehr Absatz. Umgekehrt müsste nach derselben Rechnung der Absatz um 18,7 Prozent steigen, nur um eine Preissenkung von 5 Prozent auszugleichen.

Trotzdem setzen Unternehmen Preiserhöhungen schlecht um. Die Global Pricing Study 2025 von Simon-Kucher, mit mehr als 2.200 befragten Führungskräften in 28 Ländern, kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen im Schnitt weniger als die Hälfte ihrer geplanten Preiserhöhungen tatsächlich realisieren. Und stillstehen ist keine neutrale Option: Die Verbraucherpreise in Deutschland sind 2025 laut Destatis um 2,2 Prozent gestiegen, ohne Energie um 2,6 Prozent. Wer seine Preise ein Jahr lang nicht anfasst, hat sie real gesenkt, während Ware, Versand und Werbung teurer wurden.

Die eine Formel: wie viel Absatz Du verlieren darfst

Die Angst vor der Preiserhöhung ist fast immer die Angst vor Absatzverlust. Die Frage ist aber nicht, ob Du Käufer verlierst, sondern wie viele Du verlieren darfst, bevor der Deckungsbeitrag sinkt. Die Antwort ist eine Zeile:

Die Formel

Erlaubter Absatzverlust = p ÷ (m + p). Dabei ist p die Preiserhöhung und m die Deckungsbeitragsmarge, beides in Prozent vom Nettopreis.

Ein Beispiel. Ein Produkt kostet netto 50 Euro. Ware, Versand, Zahlungsgebühr, anteilige Retouren und Werbung je Bestellung summieren sich auf 35 Euro. Es bleiben 15 Euro Deckungsbeitrag, also 30 Prozent Marge. Nach einer Erhöhung um 5 Prozent kostet es 52,50 Euro, und der Deckungsbeitrag steigt auf 17,50 Euro, weil die Kosten gleich bleiben. Um die bisherigen 15 Euro zu erwirtschaften, brauchst Du nur noch 15 ÷ 17,50 = 85,7 Prozent der bisherigen Stückzahl. Du darfst also 14,3 Prozent Absatz verlieren und stehst immer noch gleich da.

DB-Marge+3 %+5 %+8 %+10 %
20 %13,0 %20,0 %28,6 %33,3 %
30 %9,1 %14,3 %21,1 %25,0 %
40 %7,0 %11,1 %16,7 %20,0 %
50 %5,7 %9,1 %13,8 %16,7 %

Die Tabelle liest sich gegen die Intuition: Je dünner die Marge, desto mehr Absatzverlust verkraftet eine Preiserhöhung. Bei 20 Prozent Marge darf ein Aufschlag von 5 Prozent ein Fünftel der Käufer kosten. Genau die Shops, die sich eine Preiserhöhung am wenigsten zutrauen, profitieren am meisten davon.

Wichtig ist, welche Marge Du einsetzt. Rohmarge ist falsch, weil sie Versand, Zahlungsgebühren, Retouren und Werbung nicht enthält. Wer mit 60 Prozent Rohmarge rechnet, wo 30 Prozent Deckungsbeitrag übrig bleiben, unterschätzt den Spielraum um die Hälfte. Wie Du die richtige Marge je Produkt bekommst, steht im Playbook zum Deckungsbeitrag pro Produkt, und wie Du einen Preis von hinten nach vorn rechnest, im Playbook zum Verkaufspreis kalkulieren.

Dieselbe Formel gilt übrigens umgekehrt für Rabatte, nur deutlich unangenehmer: Ein Nachlass von 10 Prozent bei 30 Prozent Marge braucht 10 ÷ (30 − 10) = 50 Prozent mehr Absatz, nur um gleichzuziehen. Die ganze Rechnung dazu im Playbook Rabatt und Marge.

Nicht alles auf einmal: welche Produkte zuerst

Eine pauschale Erhöhung über das ganze Sortiment ist der bequemste und der teuerste Weg. Die Preisempfindlichkeit ist nicht gleich verteilt:

Achte auf Preisschwellen. Von 24,90 auf 26,90 Euro fällt stärker auf als von 22,90 auf 24,90 Euro, obwohl der Aufschlag gleich ist. Und wenn Du eine Versandkostengrenze hast, prüf, ob die Erhöhung typische Warenkörbe über die Grenze hebt, dann verschiebt sich mehr als nur der Stückpreis. Dazu das Playbook zum Warenkorbwert.

Testen, ohne zwei Preise gleichzeitig zu zeigen

Zwei Kunden zur selben Zeit unterschiedliche Preise für dasselbe Produkt zu zeigen, ist technisch in Shopify nicht vorgesehen und bei Kunden, die es merken, ein Vertrauensschaden. Besser ist ein Vergleich zwischen Produktgruppen: Du erhöhst die Preise einer Gruppe und lässt eine vergleichbare Gruppe unverändert. Nach vier Wochen vergleichst Du drei Werte gegen die Vorperiode, jeweils für beide Gruppen:

MesswertWarum
Verkaufte Stück je TagDer eigentliche Absatzeffekt
Conversion Rate der ProduktseiteZeigt, ob der Preis am Regal abschreckt
Deckungsbeitrag je TagDie Zahl, um die es geht

Die unveränderte Gruppe fängt Saison, Werbedruck und Wetter ab. Fällt der Absatz in beiden Gruppen um 6 Prozent, war es nicht der Preis. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Holdout-Test für Werbung.

Kommunikation und Recht

Keine Erhöhung, um danach Rabatt zu geben. Seit Mai 2022 verlangt § 11 der Preisangabenverordnung, dass Du bei jeder Preisermäßigung den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage angibst. Wer erhöht und zwei Wochen später einen Streichpreis zeigt, muss den alten, niedrigeren Preis als Referenz nennen. Der Rabatt wirkt dann nicht, und die Abmahnung ist vorprogrammiert.

Bestandskunden vorher informieren. Eine kurze Mail an Wiederkäufer, dass die Preise zum Monatsersten steigen, kostet nichts und zieht Bestellungen vor. Bei Abonnements ist die Ankündigung Pflicht, nicht Kür. Was dabei zu beachten ist, steht im Playbook zum Shopify-Abo-Modell.

Den Grund nennen, wenn es einen gibt. Gestiegene Einkaufs- oder Versandkosten sind ein Grund, den Kunden 2026 verstehen. „Wir haben die Preise angepasst“ ohne Grund ist keiner.

Die Checkliste

Preise sind die Entscheidung mit der größten Wirkung auf die eine Zahl, die am Monatsende zählt, und die, die am seltensten mit Zahlen getroffen wird. Wie wir Preis, Rabattgrenze und Kampagne im selben System rechnen, steht dort, was es kostet, auf der Preisseite.

Häufige Fragen

Wie viel Umsatz verliere ich durch eine Preiserhöhung?

Das hängt von der Preisempfindlichkeit ab, entscheidend ist aber, wie viel Absatz Du verlieren darfst. Die Formel lautet p geteilt durch (m plus p), mit p als Preiserhöhung und m als Deckungsbeitragsmarge. Bei 30 Prozent Marge und 5 Prozent Aufschlag darfst Du 14,3 Prozent Absatz verlieren, bevor der Deckungsbeitrag sinkt.

Wie erhöhe ich Preise im Onlineshop, ohne Kunden zu verlieren?

Nicht pauschal, sondern nach Produktgruppen: zuerst Nachkaufprodukte und eigene Produkte ohne direkten Vergleich, zuletzt Einstiegsprodukte. Preisschwellen beachten, Bestandskunden vorab informieren und den Effekt gegen eine unveränderte Kontrollgruppe messen. Ein Teil der Käufer geht immer, die Frage ist, ob es weniger sind als der erlaubte Absatzverlust.

Darf ich nach einer Preiserhöhung direkt einen Rabatt geben?

Du darfst, es lohnt sich aber nicht. Nach § 11 der Preisangabenverordnung musst Du bei jeder Preisermäßigung den niedrigsten Gesamtpreis der letzten 30 Tage angeben. Wer erhöht und kurz danach reduziert, muss den alten, niedrigeren Preis als Referenz zeigen, der Rabatt wirkt dann nicht.

Warum ist der Preis ein stärkerer Hebel als der Absatz?

Weil eine Preiserhöhung vollständig im Deckungsbeitrag landet, während mehr Absatz auch mehr variable Kosten mitbringt. Nach einer Rechnung von McKinsey bringt 1 Prozent mehr Preis bei gleichem Absatz rund 8 Prozent mehr operativen Gewinn, mehr als dreimal so viel wie 1 Prozent mehr Absatz.

M
Max Heckelmann
Co-Founder & CEO · SITE EFFECT

E-Commerce-Stratege für Performance & Funnel. Baut mit SITE EFFECT das Betriebssystem für profitables Wachstum von Shopify-Brands.

Wir rechnen Dir aus, wo Dein Preis Deckungsbeitrag liegen lässt.

Wir sehen uns Deinen Shop an und schicken Dir innerhalb von 48 Stunden ein persönliches Video mit drei Hebeln. Danach entscheidest Du, ob SITE FX zu Dir passt.

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Quellen & Datenbasis

1 Prozent Preis und 8 Prozent operativer Gewinn: McKinsey, The power of pricing

Realisierung geplanter Preiserhöhungen: Simon-Kucher, Global Pricing Study 2025

Inflationsrate 2025: Statistisches Bundesamt

Niedrigster Preis der letzten 30 Tage: § 11 PAngV, gesetze-im-internet.de

Praxis der 30-Tage-Regel im Onlinehandel: IT-Recht Kanzlei

Die Tabelle zum erlaubten Absatzverlust ist gerechnet, nicht gemessen. Keine Rechtsberatung, im Zweifel prüft ein Anwalt Deine Preisangaben.